Bilderberg-Konferenz

Bilderberg Konferenz 2010

by Miss Marple on 17. Juni 2010 · 0 comments

Vorletztes Wochenende, vom 03.06.2010 bis zum 07.06.2010, fand ein weiteres der alljährlichen Bilderberger Meetings statt, die seit Jahrzehnten meist unbeobachtet und schwerbewacht stattfinden. Jedes mal treffen sich hochrangige Vertreter aus Politik, Finanzen, Wirtschaft, Wissenschaft, Militär, Politik und Medien sowie Adelige in einem anderen Land, wechselnd in Europa oder Nordamerika. Diese Treffen rufen dabei so gut wie kein öffentliches Interesse hervor und keine etablierten Medien oder Nachrichtenagenturen berichten über den Event – und das obwohl mächtige und bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu einem geheimen Treffen hinter verschlossenen Türen laden und dabei nebenbei noch heftige Interessenkonflikte entstehen lassen. Keine Paparazzis, keine Journalisten, keine Übertragungswagen oder Kameras. Denn natürlich, so sagen es Teilnehmer, handele es sich ausschließlich um ein rein privates, ungezwungenes Beisammensein in entspannter Atmosphäre, um sich mal auszusprechen und bei Kaffee und Kuchen den neusten Tratsch auszutauschen. Deshalb muss auch der Steuerzahler die aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen bezahlen, die in die Millionen gehen, zumal Königinnen und Minister, Vorstandsvorsitzende und Präsidenten etc. angemessen geschützt werden müssen. Da sich auch immer hohe Vertreter der Medienanstalten mit zum erlauchten Kreise zählen dürfen, schließt sich eine Berichterstattung von vornherein aus. Auch sonst scheint sich niemand ernsthaft zu fragen, ob ein solches Treffen problematisch für eine Demokratie sein könnte, gerade wenn regelmäßig Volksvertreter daran teilnehmen, sich aber auf Nachfrage auf die eherne Regel der Verschwiegenheit berufen. Und das obwohl auch hier die Reisekosten den Steuerzahlern in Rechnung gestellt werden. Deutsche Parlamentarier ließen bei Gelegenheit verlautbaren, das Treffen sein kein Privatvergnügen. Ja was den jetzt? Trotzdem ist natürlich alles unwichtig und diskret zu behandeln.


Das erste Treffen dieser Art fand bereits 1954 statt, auf Initiative des polnischen Emigranten Joseph Retinger. Veranstaltungsort war zu dieser Zeit das Hotel Bilderberg in Holland. Daher erhielt diese Runde auch ihren Namen. Offiziell gibt es zu diesem Treffen keine Ankündigung, kein Programm, keine Stellungnahmen, keine Ergebnisse, ja noch nicht mal die Speisekarte wird veröffentlicht. Alle Teilnehmer erhalten allerdings nach Ende der Konferenz einen schriftlichen Bericht zugesandt, der die Besprechungen zusammenfasst, jeweils ohne die Namen der Personen zu nennen. Alle Aussagen werden lediglich dem entsprechenden Land zugeordnet. Man meldet sich bei diesem Club auch nicht einfach an und darf mitmachen. Natürlich kommt eine Teilnahme nur durch eine entsprechende Einladung zustande. Die eiserne Regel der absoluten Geheimhaltung darf nicht gebrochen werden. Eine Liste der berühmten Persönlichkeiten hier zu veröffentlichen würde zu weit führen, doch sind solche Auflistungen an anderer Stelle im Internet zu finden. Einige häufige Teilnehmer sind jedoch David Rockefeller, Ganni Agnelli, Henry Kissinger, Königin Beatrix, Vertreter der Deutschen Bank (Josef Ackermann) und der Zeit ( Matthias Nass, Die Zeit) etc., um nur einige zu nennen. Andere Teilnehmer sind nur einmal dabei, so dass nicht jeder Teilnehmer den gleichen Stellenwert besitzt. Die Liste der Teilnehmer ist vor einem Treffen nie einzusehen und es gibt immer Personen, die nicht aufgeführt werden und trotzdem quasi inkognito an dem Meeting teilnehmen. Wen einige Namen vorab durchsickern, ist das auf Insider-Quellen zurückzuführen, wie es in den vergangen Jahren häufig der Fall war. Auch das Hotel und der Veranstaltungsort wird erst kurz vorher bekannt. Im letzten Jahr 2009 fand das Treffen in Griechenland statt, dieses Jahr wurde Sitges, Spanien gewählt. Ob das in irgendeinem Zusammenhang zur Reihenfolge der finanziellen Probleme der Länder steht sei mal dahingestellt. Wie sich allerdings vielbeschäftigte Menschen in öffentlichen Positionen und großen Unternehmen einfach mal vier Tage aus ihrem vollem Kalender freinehmen können, um irgendwo gemeinsam ein Wellnesswochenende zu verbringen ist eher merkwürdig. Vielleicht sitzt Josef Ackermann neben Timothy Geithner in der Sauna, oder Bill Gates massiert Königin Sofia von Spanien die verspannten Schultern, während Dieter Zetsche mit Richard Holbrooke und Robert Zoellick eine runde Golf spielen. Es scheint schon etwas fragwürdig wenn die einflußreichsten, mächtigsten, reichsten Männer und Frauen miteinander eine hermetisch abgeriegelte, heimliche Konferenz abhalten und dabei die Medien mit von der Partie sind, die eigentlich kritische Begleiter der Geschehnisse sein sollten. Wieso können sich, unbemerkt von der Öffentlichkeit, (meist) vom Volk gewählte Politiker mit den Chefs der Großkonzerne und den Führer der Finanzwelt, sowie den reichsten Milliardäre und Medienzaren zu einer Aussprache über Weltgeschehnisse treffen, ohne darüber entsprechende Rechenschaft ablegen zu müssen? Wer weiß schon welche Deals und Bestechungen dort verhandelt werden. Man kann es nur mutmaßen.

Themen der diesjährigen Bilderberger Konferenz waren wohl:

– das Schicksal und die Krise des Euro

– Weltwirtschaft

– NATO und Afghanistan

– Iran und Russland

– Krieg gegen den Terror

– Wirtschaft (Schulden) Japan

– Zukunft Dollar

Einige der Teilnehmer 2010 waren: José Luis Rodríguez Zapatero, Königin Sofia von Spanien, Juan María Nin Génova (CEO La Caixa Bank), Henry Kissinger, Josef Ackermann, Bill Gates, John Elkann, James David Wolfensohn, Matthias Nass, Craig Mundie (Microsoft), Étienne Davignon, Eduardo Serra Rexach (Ex-Verteidigungsminister Spanien), Kemal Derviş (Ex-Wirtschaftminister Türkei), General Jack Keane (US Army und General Dynamics), Juan Luis Cebrián Echarri (El Pais, Medienzar Spanien), Richard Holbrooke, Gustavo A. Cisneros Rendiles (Medienzar Venezuela), Victor Halberstadt (Goldman Sachs), Roger Altman, Joaquín Almunia, W. Edmund Clark, Jan H. M. Hommen (ING Banken Gruppe), Jyrki Katainen, James B. Steinberg, Königin Beatrix von Holland, Robert Zoellick, Thomas Enders, Heinz Fischer, Neeli Kroes, Peter Löscher, George Papaconstantinou, Richard Perle, Eric Schmidt (Google), Olaf Scholz, Lawrence Summers, Peter Sutherland (Goldman Sachs), Paul Volcker und so weiter und so fort.

Vor Ort waren wieder hauptsächlich einige Aktivisten und Vertreter der alternativen Medien, die auf das Treffen aufmerksam gemacht haben und gegen die mutmaßlichen, geheimen Absprachen protestiert haben. Dabei wurden sie von den Sicherheitskräften und der Polizei an ihrer Berichterstattung gehindert, konnten aber trotzdem wichtige Informationen und Bilder bereitstellen. Nur dank ihrem Engagement wissen wir überhaupt so viel von dem erlauchtem Kreis, der sich viel lieber komplett unsichtbar machen würde. Mittlerweile fühlen sie sich offensichtlich schon genötigt wenigstens eine offizielle Internetadresse einzurichten (bilderbergmeetings.org)

Einer der wenigen alternativen Medien aus den deutschsprachigem Raum der die ganze Zeit vor Ort war ist Freeman. Auf seinem Bolg schallundrauch.info hat er tolle Berichte und viele interessante Bilder der Bilderberger veröffentlicht. Dabei gibt es eine sehr amüsante Geschichte zu berichten, wie ein Kontakt zu Josef Ackermann im Hotel zustande kam. Sein Bericht deckt das gesamte Treffen ab und beginnt mit Tag 1.


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