Xylitol - Xylit

Mit Xylit (Xylitol) gegen Karies

by Miss Marple on 22. April 2010 · 5 comments

Nur sehr langsam macht der zuckerähnliche Stoff Xylitol die Runde. Wohl kaum jemand kennt Xylit – wie er auch genannt wird – beim Namen und wenn, dann höchstens als Zusatzstoff aus zuckerfreien Bonbons oder Kaugummis sowie einigen Mundpflegeprodukten, z.b. Mundspülungen. Das ist merkwürdig bei den Eigenschaften die diese Substanz aufweist. Allerdings ist es auch wiederum nicht sehr verwunderlich, wenn man die Konsequenzen bedenkt, die ein Bekanntwerden und eine weite Verbreitung mit sich bringen würde. Einige Interessen hätten wohl ein Problem damit, wenn sich dieses Wissen frühzeitig herumsprechen würde. Dabei könnte die Sache so einfach sein.

Xylitol (Xylit) ist ein natürlicher Zuckeralkohol mit der chemischen Summenformel C5H12O5 der vom menschlichen Körper täglich hergestellt wird. Auch wenn er sich auf den ersten Blick wie eine chemische Substanz liest, kommt sie in etlichen Pflanzen natürlicherweise vor. Himbeeren und Pflaumen haben einen relativ hohen Gehalt an Xylitol und manche Bäume, vor allem Birken, eignen sich als Ausgangsstoff für die Herstellung von reinem Xylitolpulver. Mittlerweile wird für die Herstellung oft Mais benutzt und somit die im Vergleich zum normalen Zucker teure Produktion verbilligt. Der Stoff ist allerdings immer noch um einiges teurer als Haushaltszucker. Ein Kilo kosten im Moment etwa 8-10 Euro. Allerdings könnten langfristig die Kosten – gerade auch für die Gesundheit – sinken, den mit dem Konsum von Xylitol verbinden sich einige positive Aspekte.

Xylitol läßt sich wie normaler Haushaltszucker verwenden. Es besitzt die gleiche Süßkraft und nur die Hälfte an Kalorien.

Der unglaublichste Vorteil von Xylit ist seine Wirkung auf die Zähne. Eigentlich gegen jede Intuition ist diese Süße nicht schädlich für die Beisserchen. Im Gegenteil, Xylitol hilft Karies zu verhindern, Ablagerungen und Plaque auf den Zähnen zu vermeiden und / oder diese leichter zu beseitigen. Und es unterstützt die Zähne bei der Remineralisierung. Das bedeutet auch das früher Karies wieder rückgängig gemacht werden kann, oder das für Karies anfällige Stellen der Zähne wieder härteren Zahnschmelz ausbilden. Einen ebenso positiven Effekt hat Xylit auf das Zahnfleisch und Zahnfleischerkrankungen wie Gingivitis oder Parodontose. Bei regelmäßigen Konsum werden diese Zustände gebessert. Man kann sich gar nicht vorstellen, das eine süß schmeckende Substanz gut für die Gesundheit und insbesondere die Zähne sein könnte. So sehr sind wir damit aufgewachsen und so oft wurde uns schon als Kindern eingebleult ja nicht zu viel Süßes zu essen, dass Naschen ungesund ist und dass man fleißig Zähne putzen muss, um die Zähne vor den bösen Bakterien Karies und Baktus zu schützen. Davon ist natürlich einiges wahr. Um die Zähne sauber zu halten und Ansiedlungen von Bakterien zu vermeiden ist regelmäßiges Putzen unvermeidlich. Am besten jeweils kurz nach dem Essen und – besonders wichtig – vor dem Schlafen gehen.

Xylitol kann von Karies nicht verstoffwechselt werden.

Wie kommt es aber dazu, dass sich die üblen Bakterien im Mundraum vermehren, ansiedeln und die Zähne angreifen? Saccharose, der übliche Haushaltszucker ist für die Streptococcus mutans Bakterien (Karies) ein idealer Nährstoff. In ihm können ganze Bakterienkolonien wachsen und mit ihren schädlichen, sauren Abbauprodukten die Zähne zerstören. Daher verbietet sich natürlich ein hoher Zuckerkonsum von selbst, aber auch wegen seiner großen Kalorienmenge und dem starken Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Gerade bei der Ernährung für Diabetiker spielt dies eine wichtige Rolle. Für all diese Probleme bietet Xylitol eine einfache Lösung: Der Stoff eignet sich einfach nicht für den Stoffwechsel der Bakterien. Sie können ihn nicht verwerten, verhungern und sterben ab. Dadurch verändert sich die Mundflora grundlegend, so dass aggressive Kariesbakterien kaum noch vorkommen und durch harmlose Stämme ersetzt werden. So erklärt sich auch die positive Wirkung auf das Zahnfleisch. In den Taschen können sich nun die Kolonien nicht mehr vermehren und sterben ab. Die Entzündung des Zahnfleisch geht zurück und das Gewebe kann heilen. Positiv bemerkbar macht sich dies ganz nebenbei auch auf schlechten Mundgeruch.

Das ist noch nicht die ganze Kraft die in Xylitol steckt. Passenderweise geht es mit Calcium gewisse chemische Komplexe ein, die es dem Mineralstoff ermöglicht leichter in die Zähne zu gelangen. Das aus einem einzigartigem ‚Gerüst‘ bestehende Zahnmaterial (Hydroxylapatit) kann diese Komplexe leichter aufnehmen. Die Folge: Der Zahnschmelz remineralisiert und wird härter und somit widerstandsfähiger gegen Karies. Alles Eigenschaften für einen idealen Zahnpflegestoff eigentlich. Und es kommt hinzu dass der normale Zuckerkonsum stark eingeschränkt werden könnte und die Kalorienaufnahme sinken würde. Xylitol besitzt ganze 40% weniger Kalorien als der Rübenzucker und schont die Insulinausschüttung.


 

Xylitol läßt sich nicht patentieren und nicht gewinnbringend vermarkten.

Die Zuckerindustrie ist milliardenschwer. Die großen Zucker- und Süßwarenkonzerne (Nestlé, Pepsi, Monsanto besaß lange NutraSweet) lassen sich nicht gerne ohne weiteres ihr Geschäft beeinträchtigen und einge besitzen Patente auf künstlichen Süßungsmittel wie Aspartam oder Cyclamat. Daher wurden diese Substanzen vorrangig als Süßungsmittel eingesetzt für die Diät- und Lightprodukte und auch für Diabetiker genutzt. Jetzt wo die Patente abgelaufen sind kann man sehen, dass nach neuen Verwertungsmodellen Ausschau gehalten wird. So wird sie seit langem bekannte Alternative Stevia für die Vermarktung vorbereitet. Dieser Stoff aus der Pflanze stevia rebaudiana wird seit ewigen Zeiten von Indianern in ganz Mittel- und Südamerika zum Süßen verwendet. Sie ist etwa 30 mal so süß wie normaler Zucker und besitzt so gut wie keine Kalorien. Es konnte ein Stoff aus den Blättern extrahiert werden der gar 300 mal süßer ist als Zucker. Da man ihen mittlerweile chemisch nachbauen und leicht verändern konnte, ist er patentiert und wird wohl schon bald in immer mehr Nahrungsmitteln Einzug halten. Die eigentliche Pflanze bleibt hierzulande allerdings nachwievor verboten.

Stevia ist also durchaus auch eine gute Alternative zum Zucker, allerdings läßt er sich im Gegensatz zu Xylitol nicht in der Küche verwenden. Im fehlt einfach die Masse, da bereits kleine Mengen sehr süß schmecken. Außerdem besitzt er einen leichten Nachgeschmack der angeblich nun schon industriell verringert werden konnte und hat natürlich keine Wirkung auf die Zähne. Xylit ist ganz genauso süß wie Haushaltszucker und sieht ganz ähnlich aus. Meist ist es etwas feiner als Zucker, man kann damit backen und kochen – man verwendet ihn ganz einfach 1:1 zum Zucker. Nur zum karamelisieren taugt es nicht, da dieser Prozess erst ab 200 Grad einsetzt. Andere Möglichkeiten sind die Eigenproduktion von Bonbons mit Silikonförmchen, Lebensmittelfarbe und Aromastoffen (bei Bedarf) oder der Ersatz der Zahnpasta bzw. 3x täglich eine Xylitol Mundspülung.

Die Krankheitsindustrie ist eine weitere Branche die Xylitol lieber unter den Teppich kehrt. Alle Studien hat man aussließlich mit Kaugummis und einer mehr oder weniger geringen Menge Xylit gemacht. Diese Studien blieben wenige und kaum aussagekräftig. Es fehlte einfach das Interesse und die finanziellen Mittel für großangelegte Studien. Unter Ärzten geht man daher lieber davon aus, dass der verstärkte Speichelfluss beim Kaugummikauen die kariostatischen Effekte hervorruft – und nicht das Xylitol. Ähnliche Parallelen findet man bei den Studien zu Stevia in den 80er Jahren, als die Industrie sich an einer Studie beteiligte die den möglichen krebserregenden Effekt von Stevia für möglich hielt. Worauf die Verwendung untersagt wurde. Das ist leider ein immer wiederkehrendes Muster unserer Art von Kapitalismus.

Nachteile von Xylitol

Zu guter letzt soll der Nachteil von Xylitol nicht verschwiegen werden. Bei aller Euphorie gibt es doch einen kleinen Haken an der Sache – allerdings wohl eher ein Häkchen: Xylit wirkt in größeren Mengen abführend. Das gilt anfangs für etwa 0,5g pro Kilo Körpergewicht, durchschnittlich also ca. 30-40 Gramm. Das ist von Person zu Person unterschiedlich und der Körper gewöhnt sich durch eine höhere Produktion an passenden Enzymen an die Xylitolaufnahme. Schon nach einigen Tagen steigt die Toleranz, bei Studien auf bis zu 200g pro Tag. Und ganz ehrlich, so viel süß mag man am Tag gar nicht essen und schmecken. Selbst 30g sind eine ganze Menge. Von daher: Viel Spaß beim Naschen ohne Reue und schlechtem Gewissen!


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1 chaoskoeppsche 23. April 2010 um 10:06 Uhr

Gott sei Dank boomt Xylit seit einiger Zeit nur so in Relation zu noch vor einigen Jahren.

Stimmt, mit Stevia ists das Gleiche, dabei ist beides um Welten tragbarer als die allgemein geläufigen Produkte – ob nun i.d. Zahnpflege oder als Süßungsmittel.

Ich habe sogar schon meine Oma – Diabetikerin – angefixt mit Xylit – sie möchte Zucker geschmacklich nicht missen und nimmt ein bissle davon in ihre Getränke. In Bälde gibts aber den Umstieg auf Stevia als Süßungsmittel, da kalorienärmer + in Relation zur Ergiebigkeit günstiger.

Und Xylit ist eben gar nicht so wirklich teuer, wenn man bedenkt, was man sich an Zahnpflegemitteln und Zahnarztkosten ggf. ersparen kann.

ICH verwende Xylit schon seit 2007 und habe vorher immer wieder Füllungen kassiert – seitdem keine einzige mehr – meine Zahnzwischenräume wurden erst kürzlich bei einer prof. Zahnreinigung (Kaffee, Tee, Nikotin) gelobt – 15 Minuten dauerte diese nur und die letzte davor lag schon bestimmt 1 Jahr zurück. ;o)

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2 Marion 11. Juni 2011 um 13:18 Uhr

Also ich kann dem nur zustimmen. Ich benutze Xylit nun täglich seit über einem Jahr und meine Zähne sind sichtlich heller geworden und stets angenehm glatt und frei von Zahnbelägen.

Mein Karies hat sich leider nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert – immer hin.
Jetzt probiere ich es mit einer zahnfreundlichen Ernährung und Xylit.
Liebe Grüße
Marion

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3 Alex 9. November 2012 um 15:45 Uhr

Super Artikel! Ich selbst verwende vor allem Xylit-Kaugummis und Zahncreme mit Xylitol. Bei den Kaugummis ging es mir neben der antibakteriellen Wirkung auch darum, keine schädlichen Süßstoffe wie Aspartam mehr zu konsumieren, die dort sonst immer enthalten sind. Ich habe zu dem Thema auch einen Artikel verfasst. Für Interessierte: http://pagewizz.com/xylit-kaugummis-ohne-den-suessstoff-aspartam/

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